Gedanken über ein Meta-Widget

Widgets,  Mashups, open APIs usw. sind auf unser aller Desktops im Einsatz. Die enorme Vielfalt an Infomationsschnipseln und das damit verbundene schier endlose Rekombinationspotenzial sorgt dafür, dass sich jeder sein mundgerechtes Häppchenangebot für das digitale Leben individualisiert zurecht legen kann. Doch wieviele Häppchen braucht es, um mein Informations- und Kommunikationsbedürfnis ausreichend abzubilden? Wenn’s nach mir persönlich geht: Eine ganze Menge – nein – zuviele!

I love Widgets
Ich benutze Netvibes – und zwar gern und häufig. Toll, so eine personalisierte Startseite, Verzeihung, es heißt bei Netvibes „Universe“. Mein „Universe“ also besteht aus verschiedenen Bereichen wie z.B. News-Seiten „aktuelles Tagesgeschehen“ mit RSS-Feeds verschiedener Online-Medien (Politik, Wirtschaft) oder „Information Architecture“ mit den Feeds bestimmter Fachzeitschriften und Blogs. Darüber hinaus lasse ich mir Updates aus meinen verschiedenen Communities (wie z.B. Facebook, Xing, LinkedIn, Flickr, Qik) auf einer gesonderten Seite anzeigen.

Fantastisch dabei: Jedes dieser vielen Widgets funktioniert nicht nur auf meinem PC im Büro oder zuhause, sondern auch auf meinem Handy und mittelfristig auch auf meinem Fernseher oder Kühlschrankdisplay. Widgets wären somit nur halb so interessant, wenn sie nicht device-übergreifend einsetzbar wären.

Das Beste jedoch: Widgets empfangen nicht nur Informationen aus den verschiedensten Kanälen sondern bieten auch einen Rückkanal an. Ob Statusmitteilung („sitze gerade auf dem Klo“) oder Linktipp („schaut euch das folgende Video an“) lassen sich per Widget in die jeweilige Community hineintragen. Und genau damit entstehen die Probleme.

Um meinen täglichen (ja, bestimmt auch teils narzisstischen) Kommunikationsaufwand überhaupt bewältigen zu können, bedarf es unweigerlich einer Vernetzung bzw. Bündelung dieser Kommunikationskanäle. Oder schreibt jemand gerne seinen Status 10 mal in verschiedenste Communites? Das kostet Zeit! Also nutz man doch die so praktische Vernetzung der Dienste und Communities untereinander und bindet z.B. seinen Twitter Stream überall ein, ja, man lässt sogar die Systeme selbst in seinem Namen twittern (vgl. qik oder flickr). Und genau dort, wo entsprechende Dienste und Communities untereinander wiederum vernetzt sind, droht die Informationsmenge zu explodieren.

Noch ein Beispiel: Ich schicke ein Video von meinem Handy zum Online-Videodienst „qik.com“. Es wird (ich habs ja so gewollt) automatisch eine Mitteilung auf Twitter unter meinem Namen gepostet mit dem Hinweis, dass ein neues Video von mir online ist. Diese Twitter-Botschaft gelangt gleichzeitig als Statusmeldung in meinen Facebook-Account und in meinen Lifestream. Kurz gesagt: Es entstehen Dopplungen bzw. Vervielfachungen von ein- und derselben Botschaft.

Kanalreinigung?
Was wäre Kommunikation aber ohne die Absicht, auch ein Feedback von seinen Adressaten zu erhalten? Und jetzt wird es spannend. Denn die Adressaten haben nun vielfache Möglichkeiten auf meine Nachricht zu antworten, (im obigen Beispiel) nämlich bei qik, Facebook, Twitter oder Lifestream. Aus einem „Hin“-Kanal werden also viele „Rück“-Kanäle.

Das Problem ist klar: Auf ein und dieselbe Botschaft gibt’s viele, weitverstreute Einzelfeedbacks. Diese wieder zusammen zu bekommen ist zeitraubend bzw. nervig – manchmal sogar unmöglich (ich verliere selbst gerne mal den Überblick, wo genau die Botschaft jetzt gelandet ist).

Die Sache mit der Semantik
Um diese bei Widgets essentielle Unabhängigkeit vom Wiedergabemedium (Fernsehen, PC, Handy) zu gewährleisten, werden Informationen zunehmend semantisch organisiert. Doch was bringt diese Semantik wenn sie vom einzelnen Nutzer nicht mehr bzw. in Zukunft nicht organisierbar ist?

Während Sascha Lobo und Mario Sixtus (meine Anerkennung für ihr Werken vorausgesetzt) noch über Sinn und Unsinn von Mashups generell „streiten“, sollten wir uns vielleicht vielmehr die Frage stellen, wie sich die Mashup-Flut und der damit entstehende Kommunikationsaufwand von jedem einzelnen besser steuern lässt!?

Zeit für Meta-Widgets
Es liegt der Gedanke nahe, dass es bei so vielen kleinen technischen Helfern wohl nicht so schwierig sein kann, auch ein Widget/Mashup zu konzipieren, dass wiederum andere Widgets organisiert, deren Informationen filtert, auf Redundanzen prüft oder, wie im obigen Beispiel, die Feedbackkanäle wieder zusammenführt. Ladies & Gentlemen:

Das Konzept „METAWIDGET“ (***Feuerwerk***)

Und genau hier endet auch schon wieder die Euphorie. Kurz weiter gedacht kann solch ein Meta-Widget vielleicht helfen, kurzfristig den Informationsjungle zu organisieren. Aber wie lang braucht es, bis ein zweites, drittes, viertes Meta-Widget kommt und die Welt nach Meta-**Meta**-Widgets schreit? Ein Fass ohne Boden.

Wieviel „Meta“ brauchen wir tatsächlich? Muss „Meta“ immer auch gleich „maschinell gefiltert“ bedeuten? Womit wir wieder beim Nutzer wären. Vielleicht liegt die Verantwortung für die notwendigen „Meta“-Filter auch bei jedem Nutzer selbst? Ist das Medienkompetenz?

Eure Meinung?

3 thoughts on “Gedanken über ein Meta-Widget

  1. Hallo Andreas,

    interessante Gedanken hast Du. Wenngleich sie weit von meiner meist unmittelbaren Erfahrungswelt entfernt sind, war es doch recht amysant sie zu lesen.

    Mir fehlt Dein Statement zum Thema: „Echte Bindung vs. in Verbindung sein“. Mich würde auch interessieren, aus welchem Antrieb heraus Du Mitteilungen schreibst und welchen Stellenwert die Antworten für Dich haben. Was passiert zum Beispiel in Dir, wenn keiner antwortet?

    Also, das war der erste Comment meines Lebens, behandle ihn bitte mit entsprechendem Wohlwollen.

    Viele Grüße,
    Eva

  2. Interessant wird es, wenn alle Menschen solche Widgets für alle Dienste nutzen werden: So können die „Rückstreams“ (also die Reaktionen an die Botschaften) ebenfalls automatisiert werden.
    Maschinen werden sich untereinander beschäftigen und wir werden Zeit für wichtige persönliche Beziehungen (wieder) haben.
    Schöne neue Welt (nicht von den Bösen Onkelz).
    Stay alive
    alo

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